Ursprünglich kommt der Begriff Kasematte aus dem Festungsbau und bezeichnet ein vor Artilleriebeschuss geschütztes unterirdisches Gewölbe. Es kann auch selbst mit Geschützen ausgestattet sein, die durch entsprechende Schartenblenden abgefeuert werden.

Musikclubs können Schutz- und Nischenräume lebendiger und kreativer Kulturentwicklung sein. Sie können kollektive Rückzugsräume in einer sich individualiserenden Gesellschaft sein und gerade für junge Leute bieten sie ein hohes Identifikationspotential.
Wem die lebendige und vielfältige Hamburger Kulturlandschaft am Herzen liegt, der sollte am Donnerstag den 17.9. um 19:00 auf dem Rathausmarkt erscheinen. Und außerdem die Online-Petition zur Rettung der Clubs in den Gewölben unter der Sternbrücke unterzeichnen.
Ein Aktion – wie der geplante Flashmob – ist dringend notwendig, um der Politik gegenüber ein Zeichen zu setzen! Die konkret bedrohten Klubs Fundbureau, Astra Stube und Waagenbau, sind nämlich leider nur ein Beispiel einer verfehlten Hamburger Kulturpolitik, denn: …
Zur Kulturlandschaft unserer Stadt gehören neben Musiktheatern, Hochkulturspielstätten und stadtplanerisch gewollten Initiativen wie Reeperbahnfestival, Vor-IBA-Aktivitäten, der geplanten Kreativagentur oder Subvision Festival, eben auch private, eigenständige Projekte, Spielstätten und Betreiber.
Erstere erhalten strukturelle und/oder finanzielle Unterstützung aus der Politik und richten sich gleichzeitig nur bedingt an alle Bewohner Hamburgs. Letztere mussten dagegen noch in der jüngsten Vergangenheit unter ignoranten ordnungspolitischen Maßnahmen wie der ‘Stellplatzabgabe’ leiden. Auch untersützt die Kulturbehörde kaum die Vermittlung leerstehender oder brachliegender Immobilien, obwohl gerade solche Nischen- und Temporärnutzungen für Klubkultur von Bedeutung sind.
Vor wenige Wochen erst hat das Gängeviertel gezeigt, dass Räume in Konfrontation zu Saga, SpriAG, Steg o.ä. mühsam erobert werden müssen. Es fehlt der Wille und/oder das Verständnis für eine Politik, welche Subkultur, unabhängige Nischen und aus dem Stadtteil heraus gewachsene Initiativen genauso bedenkt wie Tourismus, Hochkultur und Kunst als Standortfaktor.
Dies steht in einem eigenartigen Missverhältnis zur behördlich weitverbreiteten Rede von Hamburg als aufstrebender ‘Creativ City’ im Sinne des beliebten Politikerflüsterers Richard Florida (’Rise of the Creative Class’; siehe z.B. auch seinen Aufsatz mit dem Titel ‘Why cities withour gays and rock bands are losing the economic development race.’).
Wenn die Unverwechselbarkeit Hamburgs als Kulturmetropole bewiesen werden soll, schmückt sich eben auch die Hamburgische Gesellschaft für Wirschaftsförderung mbH, gerne mit Klubs wie dem Pudel. Das klingt dann so:
“Kreative Paradiesvögel geben im pulsierenden Nachtleben der Hansestadt den Takt an. Ob in Szenebars oder angesagten Beachclubs: In immer neuen Locations werden Trends gesetzt – im Schanzenviertel wie in Ottensen, in St. Georg wie auf St. Pauli. {…} Die {Hamburger} Musik- und Szenekultur war schon immer ihrer Zeit voraus, dafür stehen Namen wie der legendäre “Star-Club” und die Beatles, der “Golden Pudel Club”, ”angie’s nightclub”, “Docks” und ”Grünspan”.” (Quelle: hamburg.de)
Es hat sich durchaus einiges in die richtige Richtung entwickelt in den letzten Jahren; vor allem durch den Einsatz des Clubkombinats und einige Maßnahmen schwarz-grüner Behörden (besonders des grünen Anteils). Allerdings hatte die im Koalitionsvertrag vereinbarten Fördersumme an Hamburger Klubs, welche direkt unterhalb des Beschlusses der Elbphilharmonie stand, doch den Beigeschmack äußerst eigenartige kulturpolitische Konsensbildung. Für eine vitale ‘kulturelle Grundversorgung’ ist aber mehr als eine Einmalzahlung (grüne Abblasshandlung?) und auch höhere Summen der inzwischen verteilten (jährlichen?) Fördermittel notwendig.
Jetzt muss gehandelt werden, im Sinne einer lebendigen Hamburger Kulturlandschaft:
Wir fordern den Erhalt der Clubs unter der Sternbrücke.
Wiedereinzug nach Abschluss der Bauarbeiten oder mindestens einen Aufschub des Baubeginns, um die bereits gebuchten Veranstaltungen durchführen zu können. Sollte diese Forderungen mit den Plänen der Bahn in irgendeiner Form vereinbar seien, wäre es unverantwortlich, dies zu ignorieren, bzw. die Bahn unsere Anliegen ignorieren zu lassen.
Wir fordern Unterstützung bei der Suche eines Übergangsquatiers!
Vor allem fordern wir eine dauerhafte für alle interessierten Hamburger Kulturmacher öffentliche und transparente Immobilienvergabe aller leerstehender bzw. freiwerdenden Räume, die für Sub-, Nischen- und ‘Temporärkultur’ in Frage kommen. Wir hoffen, dass die geplante Kreativagentur, dies wirklich leisten wird, wenn sie denn irgendwann ihre Arbeit aufnimmt.
In diesem Sinne: bis nächsten Donnerstag (17.9.) auf dem Rathausmarkt!
Kommt zahlreich!
Seid laut!











YOU GOT IT!!
Servus zusammen, meint Ihr nicht auch, das die Politik aus der Angst heraus so agiert, dass in den Nischen nicht nur “Gutes” , sondern eben leider auch viel “Schlechtes” produziert wird. Ob bei Partys im Waagenbau die Klos ständig für…. wie nennt es Fischmob: white lines in Ihre Zinken! ….genutzt werden?! in anderen dunklen Ecken “staatsfeindliche Aktivitäten” geplant werden oder oder oder…. Wenn die Subkulturen positiv genutzt würden, wäre es einfach ein anderes Ding. Vielleicht auch mal in die Richtung denken. Schönen Tag dann noch allen Lesern ;-)
Hallo Willy
Eine pluralistische lebendige Kultur finde ich wichtiger als eine Bewertung in positve oder negative Kultur. Denn nur wenn es viele Orte gibt, an denen Nischen- und Subkulturen stattfindet, haben wir überhaupt die Möglichkeit und das Privileg bewerten zu können und individuellen Geschmack zu entwickeln. Das ist meiner Meinung nach der positive ‘Nutzen’ von Subkulturen, zu dem unabhängige, freie, kleine und auch ‘dunkle Ecken’ einen wesentlichen Beitrag leisten.
Ich sehe in diesen Nischen alternative Kultur- und vielleicht Lebensentwürfe, aber ‘Staatsfeindlichkeit’ wohl kaum. Und selbst wenn, dann gehört es glücklicherweise zu unserer Gesellschaft dazu, dass wir das aushalten können.
Wie lange die ‘Zinken’ das Koks aushalten, ist dann doch eher das Problem derjenigen, die es drauf anlegen. Vor dem Hintergrund der im Artikel beschriebenen realen engstirnigen verständnislosen und meinetwegen auch ängstlichen Kulturpolitik, kann ich die Fischmobbigen Zinken ignorieren.
Vielleicht auch mal in diese Richtung denken.
Schöne Grüße
Max
Hallo,
Farid Müller von der GAL hat sich ja bei der Bahn dafür stark gemacht, dass die Sternbrücken-Clubs bleiben können bzw. Fristverlängerungen bekommen.
Heute hate die Bahn ausführlich geantwortet und Fristverlängerungen in Aussicht gestellt. Sie will auch grundsätzlich eine andere Instandssetzungs-Strategie prüfen. Mehr Infos siehe http://www.duell-um-berlin.de
Viele Grüße
Jörg Ebel / GAL
Es ist wirklich eine Farce, wie hierzustadt von der Politik von Kreativität geredet wird, während die Räume für freiwachsende Kultur immer weniger werden. Und was haben wir stattdessen…. einen (ach was sage ich – DEN!) Beatles Platz! Ein Denkmal, dass in ein paar Jahren vielleicht schon für musikalische Innovation im allgemeinen in Hamburg stehen könnte – ein Ding der Vergangenheit.
Ausserdem, werter Willy, könnte ich mir gut vorstellen, dass die sicherlich vorhandene Kleinkriminalität im Umfeld der Sub- und Clubkultur, nicht den Schaden verursacht, der durch Wirtschaftskriminalität in den geplanten Neubauten (BQN + Gängeviertel) angerichtet wird.
Mir geht der ganze Investoren- und Kreative-Stadt-Zirkus so derart auf die Klötze… Alles Plastik! Jetzt muss die GAL zeigen, dass Sie sich für Organisches einsetzt und auch auf politischer Ebene durchsetzt – oder ob Sie bei der letzten Wahl einfach nur unsere Stimmen an die CDU verschenkt hat.
Ich mein es ernst! Ich kotz euch alles voll! Ihr Pfeffersäcke und herzlosen Handlanger!
Lord Jazz
An Jörg Ebel:
Wir freuen uns, dass der Einsatz von Abgeordneten und Kommunenvertretern (im wesentlichen hier auch anderer Parteien neben den Grünen), das große persönliche Engagement der Klubbetreiber, die Kulanz der Bahn und nicht zuletzt die öffentliche Debatte dazu geführt haben, dass die Klubs noch etwas länger bespielt werden können.
Danke auch an Farid’s Einsatz, aber bitte bedenkt, dass wir uns neben diesem Aufschub eine grundsätzliche Veränderung der Hamburger Kulturpolitik wünschen.
Beste Grüße
Max
@ Jörg Ebel
Wir freuen uns, dass der Einsatz von Abgeordneten und Kommunenvertretern (im wesentlichen waren hier auch anderere Parteien neben den Grünen beteiligt), das große persönliche Engagement der Klubbetreiber, die Kulanz der Bahn und nicht zuletzt die öffentliche Debatte dazu geführt haben, dass die Klubs noch etwas länger bespielt werden können.
Danke auch an Farid’s Einsatz, aber bitte bedenkt, dass wir uns neben diesem Aufschub eine grundsätzliche Veränderung der Hamburger Kulturpolitik wünschen.
Beste Grüße