Samstag, 12. September 2009

We all live in a mellow Subversion

Hier ein reichlich verspäteter Bericht von der Subvision Eröffnung, der Kontroverse um ein Off-Festival in der Hafencity und was Subversion in Zeiten der Subversion von Subversion bedeuten könnte. Entlang von Fotos erzählt:

dnaskldas

Ein Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes der Hafencity, schaut im Eingangsbereich der Eröffnung nach dem Rechten. Die Graffito Schablone mit dem Titel der Ausstellung findet er weniger interessant, als die großen Baumaschinen hinter dem Zaun. Ist das jetzt schon subversives Verhalten?

fahrradangriff

Soviele Fahrräder sind eher selten am Strandkai anzutreffen. Die Hafencity wird durch Subvision belebt, soviel steht schonmal fest. Zielvorgabe erreicht?

whut?

Nach der Anfahrt über die privatisierten Wege der Hafencity, begrüßte uns diese für Off-Events typische Tafel.

Was die Finanzierung angeht ist Subvision nämlich in jedem Falle On: So unterstützt beispielsweise die Kulturstiftung des Bundes Subvision mit 500.000€. Noch 2007 befand selbige Stifung, dass das wirsindwoanders Festival (mit ähnlichem Konzept) keine Zuwendungen bekommen sollte. Lautstarke Kritiker von Subvision sind denn auch Teile des wsw Festivals. Eine vielleicht etwas meinungsstarke Kritik, die jedoch gut und ausführlich fundiert ist, findet sich in ihrer Online-Demo.

An dem off im Titel entzündete sich dann auch schon in der Planungsphase des Festivals eine Diskussion. Hier ein Ausschnitt aus einem Statement von Jörn Mülle, Redaktion wsw, vom April 2008:

“Off” fungiert bei subvision bloß als vermarktbares Abziehbild, als Hülle, die jeder Besucher beinahe beliebig füllen kann: “Off” ist dreckig unbekannt naiv trendy experimentell jung schräg unvorhersehbar neu subversiv trashig gefährlich unzugänglich clever spannend komplex unfertig bombastisch schön…

Olaf Bargheer (subvision) im Juli 2009:

“In der Tat lauert, egal, in welche Richtungen unsere Festivalplanungen gehen, überall die Erwartung, subvision wollte / sollte / müsste auf grosser, prominenter Plattform einen klärenden Abwasch beim Thema “Subkultur” oder “Gentrification” tätigen.

Wer aber die Projektbeschreibung wörtlich nimmt, ohne Unterstellungen, findet zu diesen ungemein komplexen (und die Kunst überfordernden) Themen keine Behauptung. subvision ist kein Katalysator für Fragen der Gentrification. Keine Polarisierung von “on” oder “off”.

subvision ist sicherlich ein selbstbewusstes Statement. Es ist aber auch gewollte Brüchigkeit und Duldung offenstehender Flanken.

Wer lädt hier zu welcher ‘Subversion’?

‘Gewollte Brüchigkeiten’ innerhalb eines Stadtplanungskonzept, dass neben Kulturpolitk vor allem auch die neuesten Stoßrichtungen in Sozial- Bildungs- und Wirtschaftspolitik verwirklicht?

grl subvision

Kunst war ja auch noch:

Manchen fanden es war eine ’so schöne Atmosphäre hier direkt an der Elbe’ (Mitt-30er-Eppendorferin).

Manche fanden die Sitzgelegenheiten aus Europaletten im Subhochkultur Eventfreßdorf eine ‘ganz tolle Idee, wenn nur die Nägel nicht wären’ (aber hält man aus, weil piekt so authentisch).

Manche fanden, dass in einem arrangierten riesigen Containerdorf, dass einzelne Werk kaum zur Geltung komem.

Manche fülten sich völlig verloren in diesem ‘Off’.

Ich persönlich fand zum Beispiel die auf dem Foto abgebildeten Graffiti Research Lab Aktion, die den Marco Polo Tower als Projektionsfläche nutzte, äußerst öde. Hoffentlich sind sie während ihres Hamburg Besuchs auch noch woanders hingefahren.

gängeviertel und neubau

Chto delat haben ihre Podiumsdiskussion, die im hässlichen White-Zeltplane-Cube auf dem subvision Gelände angesetzt war, kurzerhand ins Gängeviertel verlegt. Sie haben schon die oben zitierte wsw Kritik (die auch versendet wurde um die teilnehmenden ausländischen Künstler aufzuklären) mit dem Statement ‘We are not off’ gekontert.

Mit der Verlegung jedenfalls haben sie geholfen Grabenkämpfen zwischen Künstlern zu vermeiden und für einen wirklichen Austausch gesorgt. Wir sollten uns nicht zu lange über die Instrumentalisierung ausländischer Künstler durch subvision ärgern, sondern über den möglichen Austausch während ihres Hamburgbesuchs freuen.

Weitermachen. (z.B. dieses Wochenende wieder im Gängeviertel)

Forward.

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